Wenn Sie an einer Neuropathie leiden, sollten Sie dies lesen.
Kribbeln, Brennen, Taubheit: Eine Neuropathie beginnt oft leise und wird lange übersehen. Hier erfahren Sie, welche Anzeichen typisch sind, welche Ursachen häufig dahinterstecken und warum die ärztliche Abklärung der wichtigste erste Schritt ist.

Was ist eine Neuropathie?
Als Neuropathie bezeichnen Fachleute eine Schädigung von Nerven. Sind viele periphere Nerven gleichzeitig betroffen – also die Nerven außerhalb von Gehirn und Rückenmark –, spricht man von einer Polyneuropathie. Sie zeigt sich meist zuerst dort, wo die Nervenbahnen am längsten sind: an den Füßen, oft an beiden Seiten gleichzeitig.
Die Nerven leiten Signale nicht mehr so zuverlässig weiter. Das kann sich auf zwei Arten bemerkbar machen: Entweder kommen zu viele Signale an (Kribbeln, Brennen, Stechen) oder zu wenige (Taubheit, pelziges Gefühl, vermindertes Temperaturempfinden).
Typische Anzeichen
- Kribbeln oder „Ameisenlaufen“ – häufig zuerst an den Zehen, später an der ganzen Fußsohle.
- Brennen, das sich besonders abends oder nachts in Ruhe bemerkbar macht.
- Taubheit oder das Gefühl, auf Watte zu gehen.
- Verändertes Temperaturempfinden – heißes Wasser wird z. B. weniger deutlich wahrgenommen.
- Unsicherheit beim Gehen, vor allem im Dunkeln oder auf unebenem Boden.
- Kleine Verletzungen, die erst spät bemerkt werden.
Häufige Ursachen
Die mit Abstand häufigste Ursache ist ein über längere Zeit erhöhter Blutzucker bei Diabetes mellitus. Daneben spielen regelmäßiger Alkoholkonsum, ein Mangel an Vitamin B12, Erkrankungen von Nieren oder Schilddrüse, bestimmte Medikamente (etwa einige Chemotherapeutika) sowie entzündliche oder erbliche Erkrankungen eine Rolle. Bei einem Teil der Betroffenen bleibt die Ursache trotz Abklärung unklar.
Warum die Abklärung so wichtig ist
Je nach Ursache gibt es unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten. Ein gut eingestellter Blutzucker, der Ausgleich eines Vitaminmangels oder das Anpassen eines Medikaments kann das Fortschreiten bremsen. Deshalb gilt: Wiederkehrendes Kribbeln oder Taubheit gehört ärztlich abgeklärt – erste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis, die bei Bedarf an die Neurologie überweist. Außerhalb der Ordinationszeiten berät die Gesundheitsnummer 1450.
Was Sie selbst tun können
- Füße täglich ansehen – mit Spiegel oder Hilfe. Rötungen, Blasen und Druckstellen früh erkennen.
- Bewegung – Spazierengehen, Radfahren, Gleichgewichtsübungen. Angepasst an Ihre Möglichkeiten.
- Passende Schuhe mit ausreichend Platz und ohne drückende Nähte.
- Vorsicht bei Wärme – Wassertemperatur mit Thermometer oder Ellbogen prüfen, keine Heizkissen auf tauben Füßen ohne Kontrolle.
- Bewusste Pausen – Eincremen, sanfte Massage oder ein Wohlfühlritual am Abend können angenehm sein und lenken den Blick auf die Füße.
Wie eine solche Abendroutine aussehen kann, zeigen wir im Artikel „Wenn Sie unter Neuropathie leiden, probieren Sie dies einmal aus.“
Quellen & weiterführende Informationen
- gesundheit.gv.at – Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs: Polyneuropathie
- Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG): Leitlinien zum diabetischen Fußsyndrom
- Deutsche Gesellschaft für Neurologie: S1-Leitlinie Diagnostik bei Polyneuropathien


